Weitere Gedanken

Das Leben ist wie das Meer: wenn wir davor stehen, sehen wir gerade einmal die Oberfläche bis hin zum Horizont. Die Geheimnisse und seine Kraft verbirgt das Meer allerdings im Untergrund, wir erfahren vielleicht einen Bruchteil davon, wenn wir schwimmen oder tauchen lernen und akzeptieren wie man sich von Wellen tragen lässt. Ganz gleich aber wie oft wir nun mit modernsten Messgeräten, konstruierten Tauchausrüsten und ausgefeilter Technik das Meer erforschen – es wird immer ein Mysterium bleiben, das letztlich mächtiger ist als der Mensch. So wie das Leben auch.

Wir sind alle aus dem Meer entstanden, sagt man, die Entwicklung jedes einzelnen Menschen kann unterschiedlicher aber nicht sein.

“Menschen mit Meer” ist der Arbeitstitel eines Buchprojektes, das sich selbst viele Fragen stellt und am Schluss kaum eine Antwort liefert, sondern nur Bilder. Es beschreibt die Begegnungen von Menschen, die im Autismusspektrum diagnostiziert sind und ihr Leben damit beschreiben. Menschen, denen oft nachgesagt wird, sie würden keine Gefühle haben, in einer eigenen, unzugänglichen Welt leben und die Umwelt kaum wahrnehmen. Das Buchprojekt will genau diesen Vorurteilen entgegenwirken und diese Menschen sprechen lassen. Darüber, wie sie ihr Leben meistern, ihre Welt wahrnehmen und fühlen. Und auch darüber, welche Kreativität, Lebensfreude und Begeisterung in diesen Menschen stecken kann. Am Ende erhält der Leser durch die Portraits Einblicke in verschiedenste Leben und beginnt sich die Frage “Was ist eigentlich normal?” womöglich noch einmal neu zu stellen.

Denn letztlich können wir doch nur die Füße in das Meer stecken oder ein paar Meter schwimmen, bis die Wellen zu stark für uns werden. So können wir uns lediglich vorstellen, was in dieser fremden Wasserwelt zu finden sein mag – unsere Fantasie lässt uns darin eintauchen.